2. Oktober 2026  ·  10.–15.09.2026

Fünf Tage Atlantik – und plötzlich war alles sehr weit weg

643 Seemeilen bis Lanzarote. Fünf Tage ohne Zwischenstopp, mit Kreuzsee, Flaute, einem Yanmar mit ziemlich großem Appetit auf Öl, zwei Fischen, die unsere Einladung zum Abendessen ablehnten – und einem kleinen Vogel, der unsere Lady mitten auf dem Atlantik kurzerhand zur Raststation erklärte.

Sonnenaufgang über dem Atlantik

Am Morgen des 10. September war plötzlich dieser Tag da, über den wir seit Wochen gesprochen hatten. Nicht mehr „wenn wir Richtung Kanaren fahren" oder „bevor wir Gibraltar verlassen", sondern ganz konkret: Heute fahren wir los.

Unsere Dieseltanks waren randvoll, Proviant hatten wir sicherheitshalber für vierzehn Tage gebunkert, obwohl wir mit ungefähr fünf rechneten. Das Rigg war überprüft und freigegeben, die Windsteueranlage hing am Heck, die Wettermodelle waren gefühlt hundertmal angeschaut worden – und irgendwo zwischen Nudeln, Wasserflaschen, Motoröl und Müsliriegeln war vermutlich auch noch ein bisschen Gelassenheit verstaut.

Vor uns lagen rund 643 Seemeilen bis Lanzarote. Kein Hafen am Abend, keine Ausweichbucht für morgen und kein „wenn es uns reicht, fahren wir einfach irgendwo rein". Zum ersten Mal auf dieser Reise würde für mehrere Tage nur noch Wasser um uns herum sein.

Etwas Schwarzes im Wasser – und zwei Tage später die Meldung

Eine Sache hatten wir in den Tagen davor besonders aufmerksam beobachtet: die Orca-Meldungen. Immer wieder hatten wir geschaut, wo die Tiere zuletzt gesichtet worden waren. Angeblich hielten sie sich zu diesem Zeitpunkt weiter Richtung Portugal auf, und genau das wollten wir auch sehr gerne glauben.

Dann waren wir mitten in der Straße von Gibraltar.

Rund um uns Schiffsverkehr, Strömung, Wind – und dieses besondere Gefühl, dass jetzt wirklich die nächste große Etappe begonnen hatte. Irgendwann sahen wir etwa 200 Meter entfernt etwas Schwarzes im Wasser auftauchen. Es war nur kurz zu sehen, nicht eindeutig, aber deutlich genug, dass wir beide sofort aufmerksam wurden.

„Was ist das?"

Normalerweise freuen wir uns über alles, was nach Delfin aussieht. Diesmal war die Begeisterung etwas gedämpfter. Wir änderten den Kurs deutlich, ungefähr hundert Grad weg von der Stelle, und machten erst einmal Abstand. Ein paar Minuten später war nichts mehr zu sehen, also beschlossen wir, dass es ziemlich sicher Delfine gewesen waren. Das klang vernünftig und vor allem beruhigend.

Zwei Tage später kam dann die Meldung, dass am 10. September Orcas in der Straße von Gibraltar gesichtet worden waren. Wir sahen uns an und mussten gleichzeitig lachen und schlucken. „Ach herrje."

Ob das wirklich die Tiere waren, die wir gesehen hatten, werden wir nie wissen. Vielleicht waren es Delfine. Vielleicht hatten wir tatsächlich unsere erste Orca-Begegnung und es erst zwei Tage später begriffen. Im Nachhinein fanden wir unsere spontane Hundert-Grad-Kursänderung jedenfalls plötzlich ziemlich sympathisch.

Dabei hatte der Atlantik uns noch gar nicht richtig begrüßt.

Und dann meldete sich der Motor

Die Instrumente am Niedergang

Noch am ersten Tag sank der Öldruck. Wer unsere Reise verfolgt, weiß, dass dieser Satz bei uns inzwischen ungefähr dieselbe Wirkung hat wie ein Feueralarm.

Unser Yanmar hatte uns im Sommer bereits beschäftigt. In Porto di Palmi war er überprüft worden, danach lief er deutlich besser, und auch in Valencia hatten wir ihn noch einmal kontrollieren lassen. Deshalb waren wir eigentlich mit einem guten Gefühl losgefahren – und standen nun ausgerechnet auf unserer längsten Etappe wieder mit dem Ölkanister vor dem Motor.

Von diesem Moment an kontrollierten wir den Ölstand alle zwei bis drei Stunden. Motor aus, kurz warten, messen, gegebenenfalls nachfüllen und alles dokumentieren. Nachts bei Kreuzsee war das weniger technische Routine als eine Mischung aus Yoga, Functional Training und dem Versuch, dabei möglichst wenig Öl über sich selbst zu verteilen. Andere Menschen bezahlen für Ganzkörpertraining. Wir besitzen einen Motorraum.

Der Motor lief dabei sauber, der Ölverbrauch war aber eindeutig viel zu hoch. Über Starlink standen wir deshalb bereits mit der Marina Rubicón auf Lanzarote in Kontakt. Die Rückmeldung beruhigte uns zumindest etwas: genau kontrollieren, vorsichtig weiterfahren und den Motor nach der Ankunft gründlich untersuchen lassen. Also machten wir genau das – und freuten uns über jede Stunde, in der genug Wind zum Segeln da war und der Yanmar Pause hatte.

Noch nie hat uns ordentlich Wind so beruhigt.

Drei Tage Waschmaschine – und wir fanden es fast gut

Die ersten Tage bekamen wir Wind, Welle und vor allem Kreuzsee. Wer dabei an ein Schiff denkt, das gemütlich über lange Atlantikwellen gleitet, darf dieses Bild gleich wieder weglegen.

Unsere Lady wurde gleichzeitig in mehrere Richtungen bewegt. Eine Welle hob uns an, die nächste kam schräg dazu, dann rollten wir zurück, und irgendwo im Salon meldete sich wieder ein Gegenstand, den wir eigentlich hundertprozentig seefest verstaut hatten.

Man lernt auf solchen Etappen erstaunlich viel über die eigenen Schränke. Zum Beispiel, welche Tasse bei drei verschiedenen Wellenrichtungen plötzlich ein Eigenleben entwickelt oder welche Dose seit Italien nur deshalb brav an derselben Stelle gestanden hatte, weil sie offenbar auf ihren großen Auftritt im Atlantik wartete.

Die ersten drei Tage fühlten sich ein bisschen an wie Wohnen in einer Waschmaschine, bei der jemand vergessen hatte, den Schongang einzuschalten. Trotzdem waren wir fast dankbar dafür, denn wir kamen gut voran und konnten viel segeln. Je ungemütlicher die See wurde, desto entspannter waren wir paradoxerweise beim Thema Motor.

Das führte zu Gesprächen, die außerhalb eines Segelbootes vermutlich etwas seltsam klingen würden.

„Die Welle ist heute wirklich furchtbar."
„Ja."
„Aber wir segeln."
„Stimmt. Eigentlich super."

So verschieben sich Prioritäten.

Wir dachten, Flaute wäre Erholung

Nach ungefähr drei Tagen ließ der Wind nach. Dann noch mehr, bis schließlich nur noch zwei oder drei Knoten übrig waren. Wir freuten uns kurz und stellten uns bereits vor, wieder halbwegs normal sitzen oder vielleicht sogar kochen zu können, ohne dass der Topf gleichzeitig eine Flucht vom Herd plant.

Was wir dabei übersehen hatten: Der Wind machte Pause, die Welle nicht.

Die Sonne steht tief über einem fast windstillen Meer

Die Kreuzsee rollte weiterhin unter uns durch, nur dass jetzt keine gefüllten Segel mehr da waren, die unsere Lady stabilisierten. Ohne Druck im Tuch begann das Schiff zu rollen – links, rechts, wieder zurück – und zwar ohne dieses wenigstens befriedigende Gefühl, dabei ordentlich Strecke zu machen.

Nach ein paar Stunden war uns völlig klar: Flaute auf dem offenen Meer ist keineswegs automatisch die gemütliche Variante. Mit Wind und Welle hat das Schiff wenigstens Spannung und Richtung. Ohne Wind wird man einfach herumgereicht.

Und weil wir trotzdem irgendwann in Lanzarote ankommen wollten, musste der Motor wieder laufen. Damit kam auch unser inzwischen bestens eingespielter Ölcheck zurück. Spätestens jetzt strukturierten wir unseren Tag nicht mehr nur nach Wachen und Essen, sondern auch nach der Frage: „Wann haben wir eigentlich das letzte Mal gemessen?"

Romantik auf Langfahrt sieht manchmal anders aus, als Instagram vermuten lässt.

Unser Atlantik-Menü wollte nicht an Bord

Die Angelleine läuft hinter dem Schiff durchs Wasser

Natürlich hatten wir die Angel draußen. Mitten auf dem Atlantik stellt man sich das wunderbar vor: Fisch beißt, man holt ihn herein und abends gibt es frischen Fang bei Sonnenuntergang.

Zweimal biss tatsächlich etwas an. Beim ersten Mal waren wir innerhalb von Sekunden hellwach. Nach Stunden aus Wellen, Instrumenten und Bordroutine bringt eine gespannte Angelschnur erstaunlich viel Leben ins Cockpit. Christian holte ein, die Leine stand unter Spannung – und dann war der Fisch weg.

Beim zweiten Mal passierte uns genau dasselbe.

Offenbar hatten die Fische eine andere Vorstellung von unserem gemeinsamen Abend. Damit war die Frage „Delikatesse aus dem Atlantik oder Vorratsessen?" beantwortet. Der Atlantik behielt seine Fische und wir öffneten unser Essen.

Man kann nicht alles haben.

Unser kleinster Passagier

Ein anderer Gast hatte dagegen deutlich weniger Berührungsängste. Irgendwann landete mitten auf dem Atlantik ein kleiner Vogel auf unserer Lady. Wir waren inzwischen weit weg von der Küste, rundherum nur Meer, und dieses kleine Tier saß plötzlich bei uns, als hätte es unsere Position vorher auf Google Maps gesucht.

Er blieb mehrere Stunden. Mal saß er hinten, dann wechselte er ein paar Meter weiter, schaute uns an und machte es sich wieder bequem. Wir mussten ständig nach ihm sehen und freuten uns jedes Mal, wenn wir entdeckten, dass er noch da war.

Welche Vogelart es genau war, wussten wir nicht. Wir wussten auch nicht, woher er kam oder wohin er danach weiterflog. Irgendwann war sein Platz einfach leer und unser kleiner Passagier verschwunden.

Aber dieser Besucher hat uns berührt. Mitten auf diesem riesigen Meer sucht sich ein Vogel ausgerechnet unser Schiff aus, um sich auszuruhen. Für ein paar Stunden waren wir seine Insel – und plötzlich wirkte unsere Lady mitten im Atlantik gar nicht mehr ganz so klein.

2019 hätten wir mit all dem viel mehr allein dagestanden

Nachts im Cockpit, im Hintergrund Lichter

Eine ähnlich lange Strecke waren wir bereits 2019 gefahren. Technisch lagen zwischen diesen beiden Reisen allerdings Welten, und der größte Unterschied hieß diesmal Starlink.

Wir hatten mitten auf dem Atlantik Internet. Das klingt zunächst nach Luxus – Nachrichten schreiben, Kontakt nach Hause halten, vielleicht ein bisschen schauen, was an Land passiert. Für uns wurde es auf dieser Etappe aber zu einem echten Sicherheitsfaktor.

Wir konnten laufend aktuelle Wetterdaten abrufen und gleichzeitig mit der Marina beziehungsweise der Werkstatt auf Lanzarote kommunizieren. Während wir noch Hunderte Seemeilen entfernt waren, konnten wir schildern, was der Motor machte, und bekamen Rückmeldung, wie wir damit umgehen sollten.

2019 hätten wir viel stärker mit den Informationen arbeiten müssen, die wir beim Ablegen hatten. Diesmal konnten wir mitten auf dem Atlantik eine Frage stellen und kurze Zeit später eine Antwort bekommen.

Die Wellen werden durch Internet natürlich nicht kleiner. Aber dieses Gefühl, mit einer technischen Frage völlig allein zu sein, verschwindet. Und in so einem Moment lernt man Starlink noch einmal ganz anders zu schätzen.

„Wie soll man das zwei Wochen aushalten?"

Die ersten Tage waren hart. Nicht im Sinne eines dramatischen Sturms oder einer gefährlichen Situation, sondern körperlich und mental anstrengend.

Man schläft vielleicht eine Stunde und wird durch die nächste Bewegung des Schiffes wieder wach. Man möchte essen, aber der Körper hält andere Dinge gerade für wichtiger. Selbst ganz normale Tätigkeiten dauern plötzlich länger, weil eine Hand eigentlich immer damit beschäftigt ist, irgendwo Halt zu suchen.

Irgendwann fragte einer von uns: „Wie soll man das eigentlich zwei oder drei Wochen machen?"

Diese Frage war nicht ganz unwichtig, denn im Dezember wollten wir wieder hinaus – diesmal deutlich länger. Kanaren, Kapverden, Karibik. Der große Atlantik. Wenn wir uns nach zwei oder drei Tagen schon so müde fühlten, wie würde es dann erst nach zehn Tagen aussehen?

Die Vorstellung war nicht gerade beruhigend.

Und dann kam Tag vier.

Am vierten Tag veränderte sich nicht das Meer, sondern wir

Irgendwann an diesem vierten Tag fiel uns auf, dass es plötzlich leichter ging. Nicht perfekt und ganz sicher nicht wie an Land, aber unser Körper hatte offenbar beschlossen, nicht mehr jede Bewegung des Schiffes persönlich zu nehmen.

Wir konnten besser essen, der Schlaf wurde erholsamer und wir bewegten uns viel selbstverständlicher durch die Lady. Christian wusste, wann ich Ruhe brauchte, ich wusste, wann er schlafen musste, und viele Abläufe funktionierten plötzlich ohne große Absprache. Das Schiff bewegte sich noch immer, nur kämpften wir nicht mehr ständig dagegen an.

Genau diese Erfahrung war für uns unglaublich wichtig. Bis dahin hatten wir uns gefragt, wie wir irgendwann eine richtige Atlantiküberquerung schaffen sollen. Jetzt bekamen wir zum ersten Mal eine Ahnung davon, wie es funktionieren könnte: Der Körper passt sich an, ein Rhythmus entsteht und irgendwann hört man auf, auf den nächsten ruhigen Moment zu warten. Man beginnt einfach, in der Bewegung zu leben.

Ob wir deshalb sofort Lust gehabt hätten, noch zehn Tage dranzuhängen? Ganz sicher nicht. Man soll seine neu gewonnenen Erkenntnisse schließlich nicht gleich überstrapazieren.

Aber plötzlich konnten wir uns vorstellen, dass eine längere Passage machbar ist.

Am fünften Tag lag der Atlantik plötzlich da wie ein See

Ausgerechnet am letzten Tag kam dann die Ruhe. Nach all der Kreuzsee, dem Rollen und den Stunden, in denen man beim Zähneputzen schon froh war, wenn die Zahnbürste tatsächlich den eigenen Mund traf, wurde der Atlantik immer glatter.

Fast spiegelglatt.

Wir konnten wieder normaler essen, sitzen und schlafen. Unsere Lady fühlte sich plötzlich wieder wie ein Zuhause an und nicht wie ein sehr aufwendig eingerichteter Fitnessparcours.

Irgendwann tauchte am Horizont etwas Dunkles auf. Zuerst war es nur ein Schatten, und wir schauten mehrfach hin, weil man nach Tagen mit nichts als Wasser den eigenen Augen fast nicht traut.

„Ist das Lanzarote?"

Die Küste von Lanzarote taucht am Horizont auf

Der dunkle Streifen wurde langsam größer, bekam Konturen, und irgendwann war klar: Das ist wirklich Land.

Es ist schwer zu beschreiben, was in diesem Moment passiert. Es ist keine laute Freude, sondern eher eine Mischung aus Erleichterung, Müdigkeit, Stolz und diesem fast kindlichen Gedanken: Wir sind wirklich mit unserem eigenen Schiff hierhergefahren.

Am 15. September liefen wir schließlich in Marina Rubicón ein. Fünf Tage vorher hatten wir Gibraltar hinter uns gelassen, und jetzt lagen die Kanaren vor uns.

643 Seemeilen später

Angekommen: das erste Bier im Hafen

Hinter uns lagen rund 643 Seemeilen, fast 63 Motorstunden, zwei Fische, die sich erfolgreich vor unserer Pfanne gerettet hatten, und ein kleiner Vogel, der für ein paar Stunden Teil unserer Crew geworden war. Auf unserer Motorliste standen allerdings auch rund zwölf Liter nachgefülltes Öl – eindeutig genug, um den Yanmar auf Lanzarote ganz nach oben auf die Werkstattliste zu setzen.

Viel wichtiger war für uns aber eine andere Erkenntnis. In den ersten Tagen hatten wir uns immer wieder gefragt, wie Menschen so etwas zwei oder drei Wochen lang machen. Ab dem vierten Tag merkten wir dann, dass sich der Körper tatsächlich anpasst. Der Schlaf wird besser, Bewegungen werden selbstverständlicher und irgendwann hört man auf, auf den nächsten ruhigen Moment zu hoffen. Man lebt einfach in dem Rhythmus, den das Meer vorgibt.

Genau das war für uns mit Blick auf die spätere Atlantiküberquerung unglaublich beruhigend. Nicht, weil wir nach fünf Tagen begeistert vorgeschlagen hätten, einfach noch zehn dranzuhängen – so weit wollen wir unsere neue Seefestigkeit nun wirklich nicht überschätzen. Aber zum ersten Mal konnten wir uns vorstellen, wie ein längeres Leben auf See irgendwann normal werden kann.

Als Lanzarote schließlich vor uns lag, war deshalb nicht nur Erleichterung da. Es war auch dieses stille Gefühl, etwas geschafft zu haben, das sich vor dem Ablegen noch ziemlich groß angefühlt hatte.

Erst einmal Werkstatt statt Karibik

Bevor wir jetzt allerdings romantisch über die nächste Ozeanüberquerung nachdenken, bekommt unsere Lady auf Lanzarote erst einmal Aufmerksamkeit. Ganz oben auf der Liste steht der Yanmar, denn zwölf Liter nachgefülltes Öl sind nichts, was wir mit einem Schulterzucken Richtung Karibik mitnehmen möchten.

Wenn das Schiff ohnehin aus dem Wasser kommt, erledigen wir gleich mehrere Punkte. Antifouling, Kontrolle der Seeventile, Wellendichtung und Stopfbuchse stehen ebenfalls auf dem Programm. Nach fünf Tagen Atlantik heißt unser nächstes Abenteuer deshalb zunächst nicht einsame Bucht, sondern Werkstatt.

Und irgendwie passt genau das zu unserer Weltreise. Manchmal sitzt man bei Sonnenuntergang mitten auf dem Atlantik, schaut auf endloses Wasser und denkt, wie unglaublich dieses Leben ist. Ein paar Tage später steht man neben einem Mechaniker, spricht über Öl, Dichtungen und Seeventile und freut sich fast genauso sehr darüber, dass da jemand ist, der weiß, was er tut.

Freiheit sieht auf Fotos deutlich organisierter aus, als sie ist. Bei uns besteht sie derzeit aus sehr viel Meer, überraschend vielen technischen Gesprächen, einem Vogel als Kurzzeitcrew und der Erkenntnis, dass eine Dose Chili auch dann schmeckt, wenn der Atlantik seine Fische lieber selbst behält.

Unser Lied zur Etappe

643 Meilen auf See

Diese Überfahrt hat ein eigenes Lied bekommen. Kreuzsee, Flaute, ein Vogel als Kurzzeitcrew – alles drin, nur in vier Minuten statt fünf Tagen.

Fünf Tage auf See können sich am zweiten Tag endlos und am fünften plötzlich viel zu kurz anfühlen. Weil irgendwo zwischen Kreuzsee, Flaute und viel zu wenig Schlaf dieser Moment kommt, an dem das Meer aufhört, Ausnahmezustand zu sein.