16. August 2026

Carloforte – sieben Jahre später und sofort wieder daheim

2019 waren wir hier auf unserer ersten großen Reise. 2026 kamen wir mit eigenem Boot zurück.

Doris und Christian an der Hafenpromenade von Carloforte

Es gibt Orte, die sind schön.

Und es gibt Orte, bei denen man nach sieben Jahren wieder anlegt und schon nach den ersten Minuten denkt: Ja. Genau deshalb mochten wir dich.

Carloforte war für uns so ein Ort.

2019 waren wir schon einmal hier. Damals auf unserer ersten großen Reise. Vieles war neu, vieles noch aufregender, vieles vermutlich auch ein bisschen größer in unserem Kopf.

2026 kamen wir zurück.

Mit einem anderen Boot. Mit einem anderen Leben. Mit unserer Akademie an Bord. Mit mehr Erfahrung, mehr Werkzeug und deutlich mehr Dingen, von denen wir inzwischen wissen, dass man sie auf einem Schiff irgendwann ganz dringend brauchen wird.

Aber Carloforte?

Das fühlte sich erstaunlich vertraut an. Fast so, als hätte der Ort einfach gewartet.

Zurückkommen ist manchmal schöner als Ankommen

Bunte Gasse in Carloforte mit Wimpelketten, Kakteen und Blumentöpfen

Schon beim ersten Spaziergang durch den Ort war dieses Gefühl wieder da.

Die schmalen Gassen. Die kleinen Geschäfte. Die Häuser. Stimmen aus offenen Türen. Menschen, die miteinander reden, ohne dabei ständig irgendwohin zu müssen.

Carloforte macht nichts Lautes aus sich. Es versucht nicht, dich zu beeindrucken. Und vielleicht beeindruckt es genau deshalb.

Wir gingen durch die Gassen und merkten schnell, dass wir nicht viel Programm brauchten. Kein „Das müssen wir unbedingt noch sehen". Kein Abhaken. Kein Rennen von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten.

Wir waren einfach wieder da. Und das reichte.

Unsere schwimmende Akademie macht Pause. Fast.

Ganz ohne Arbeit ging es natürlich nicht.

Im Herbst startet Doris' neue Trainerausbildung, und dafür gab es einiges vorzubereiten. Christian arbeitet inzwischen ebenfalls in der Akademie mit, und so saßen wir auch in Carloforte immer wieder mit Laptop, Unterlagen und Ideen an Bord.

Von außen sah das vermutlich beneidenswert aus. Zwei Menschen auf einem Segelboot. Meer vor der Nase. Laptop auf dem Tisch.

Die Realität bestand allerdings auch aus offenen Tabs, To-do-Listen und der Frage, ob wir zuerst noch etwas fertigarbeiten oder doch besser schnell einkaufen gehen sollten.

Denn in einer Woche sollten unsere Kinder wieder zu uns stoßen. Und wenn Kinder kommen, reicht „wir haben noch ein bisschen Pasta" plötzlich nicht mehr als Vorratsstrategie.

Also bunkerten wir. Lebensmittel, Getränke, Snacks und all die Dinge, von denen man auf einem Boot immer glaubt, dass man ohnehin keinen Platz mehr dafür hat.

Bis man doch noch einen findet. Unter einer Sitzbank. Hinter einer Kiste. In irgendeinem Fach, von dem man bis dahin nicht wusste, dass es existiert.

Ein Segelboot lehrt einen vieles. Unter anderem, dass Stauraum ein dehnbarer Begriff ist.

Flamingos, die sich um gar nichts kümmern

Natürlich wollten wir wieder zur Salzlagune.

Schon 2019 hatten wir dort Flamingos gesehen, und irgendwie gehörten sie für uns zu Carloforte dazu. Also machten wir uns auf den Weg.

Und da standen sie.

Rosa, ruhig und vollkommen unbeeindruckt von allem, was uns in den vergangenen Wochen beschäftigt hatte. Kein Autopilot. Kein Motoröl. Keine Wetter-App. Keine Entscheidung, wann wir weiterfahren. Sie standen einfach im Wasser.

Wir blieben eine Weile dort und schauten ihnen zu. Nach all den technischen Geschichten tat genau das gut. Nichts lösen. Nichts planen. Nur schauen.

Ich glaube, wir haben in diesen Minuten mehr abgeschaltet als an manchem ganzen Hafentag.

Die Flamingos übrigens auch. Wobei die vermutlich grundsätzlich weniger Probleme mit ihrem Kalender haben.

Vier Bäume und das Leben dazwischen

Mitten im Ortskern gibt es einen Platz mit vier großen Bäumen.

Vier Bäume. Das klingt nicht nach einer Sehenswürdigkeit, für die man weit reisen würde. Und trotzdem blieb genau dieser Platz wieder bei uns hängen.

Unter den Bäumen sitzen Menschen. Junge, ältere, Kinder, Familien. Manche reden laut. Manche leise. Manche sitzen einfach da und schauen. Und niemand wirkt dabei, als würde er Zeit verlieren.

Wir gingen oft dort vorbei. Manchmal langsam, manchmal mit einer Einkaufstasche, manchmal einfach ohne Ziel.

Irgendwann merkt man, dass dieser Platz mehr über Carloforte erzählt als jede Broschüre. Das Leben findet dort nicht nebenbei statt. Es findet einfach statt.

Und vielleicht mochten wir genau das so sehr. Carloforte war belebt, aber nie hektisch. Voll, aber nie anstrengend. Es hatte dieses seltene Gefühl von: Hier ist etwas los, aber niemand muss etwas beweisen.

Christian wird zum Waschsalon-Profi

Professionelle Waschmaschine im öffentlichen Waschsalon von Carloforte

Nicht alles an unserem Aufenthalt war poetisch.

Unsere Waschmaschine an Bord funktionierte nicht. Und nach Wochen auf See entsteht irgendwann ein sehr praktisches Problem: Wäsche.

Also wurde der öffentliche Waschsalon zu einem festen Bestandteil unseres Aufenthalts.

Christian übernahm. Er zog mit der Wäsche los, stellte sich zu den anderen Wartenden und kam später mit sauberer, trockener und herrlich duftender Ladung zurück.

Beim ersten Mal war ich beeindruckt. Beim zweiten Mal begann ich, hohe Erwartungen zu entwickeln. Beim dritten Mal war klar: Christian hatte sich in Carloforte still und heimlich zum Waschsalon-Spezialisten entwickelt.

Ich fragte irgendwann: „Alles trocken?" Er sah mich an. „Natürlich." Dieser Tonfall verriet, dass ich offenbar gerade die Kompetenz eines erfahrenen Mannes infrage gestellt hatte.

Seitdem halte ich mich zurück. Wer auf einer Weltreise regelmäßig mit sauberer Bettwäsche zurückkommt, hat Respekt verdient.

Zwei Kaffee und sieben Jahre dazwischen

Einer der schönsten Momente war überraschend unspektakulär.

In der Marina gibt es ein kleines Café. 2019 hatten wir dort gesessen und mit dem Laptop gearbeitet, weil wir das WLAN brauchten. Wir erinnerten uns daran. Also gingen wir wieder hin.

Fast derselbe Ort. Ähnliche Tische. Ähnliche Aussicht.

Wir bestellten zwei Kaffee, unterschiedlich zubereitet, beide hervorragend. Nur diesmal blieben die Laptops zu.

Wir saßen da und schauten auf die Marina. Und plötzlich lagen diese sieben Jahre zwischen damals und heute direkt vor uns.

2019 waren wir auf Reisen und wussten, dass diese Reise irgendwann zu Ende gehen würde. 2026 lagen wir mit unserem eigenen Boot dort. Christian war inzwischen Teil der Akademie. Unser Business reiste mit. Und was damals vielleicht nach einem besonderen Jahr aussah, war heute ein Teil unseres Lebens geworden.

Kein großer Moment. Kein Feuerwerk. Nur zwei Kaffee. Und das Gefühl, wie viel sich verändert hatte.

Vielleicht sind es genau diese kleinen Wiederholungen, an denen man merkt, wie weit man gekommen ist.

Manche Orte müssen gar nichts Neues bieten

Wir liefen weiter durch die Gassen, schauten uns Kirchen an, gingen einkaufen und blieben immer wieder irgendwo stehen.

Carloforte musste uns diesmal nichts Neues zeigen. Vielleicht war das sogar das Schönste daran.

Wir mussten nicht überrascht werden. Wir mussten nicht begeistert werden. Wir kannten den Ort schon. Und mochten ihn trotzdem wieder. Oder gerade deshalb.

2019 war Carloforte ein schöner Stopp. 2026 fühlte es sich ein bisschen wie Wiedersehen an. Mit einem Ort, der sich kaum verändert hatte. Während wir selbst mit einem ziemlich anderen Leben zurückgekommen waren.

Carloforte hatte uns auch diesmal nichts Spektakuläres gegeben. Keine große Überraschung. Kein Abenteuer. Nur dieses ruhige, seltene Gefühl: Hier könnten wir länger bleiben.

Zwei Drinks und ein Teller mit Häppchen auf einer Terrasse am Abend

Als wir später wieder an Bord saßen, waren die Vorräte aufgefüllt, die Wäsche sauber, die Arbeit erledigt und irgendwo draußen standen vermutlich noch immer die Flamingos im Wasser und kümmerten sich um überhaupt nichts.

Und vielleicht ist genau das eines der schönsten Komplimente, das man einem Ort machen kann.