Auf der Suche nach einem neuen Schiff
Es ist Anfang Dezember. Das Auto ist voll, der Plan klingt eigentlich einfach: einmal über den Balkan hinunter nach Griechenland, zehn Schiffe besichtigen, das Richtige finden. Was wir nicht ahnen: Es werden 4.000 Kilometer, sechs Länder, und am Ende werden wir mit leeren Händen nach Hause kommen. Zumindest glauben wir das. Wir starten in Graz, fahren durch Kroatien hinunter, über Montenegro, durch Albanien, bis nach Griechenland. Die Idee dahinter klingt logisch: In Griechenland werden gerade besonders viele Schiffe verkauft, die Preise sollten dort günstiger sein als oben in der nördlichen Adria. Wir wollen es genau wissen. Wir wollen nichts dem Zufall überlassen. Hafen für Hafen. Makler für Makler. Wir sehen Schiffe, die zu klein sind. Schiffe, die zu groß sind. Schiffe, die schön aussehen, aber bei denen wir sofort spüren – das ist nichts für die große Reise. Denn wir suchen kein Boot. Wir suchen ein schwimmendes Büro für die Langfahrt. Einen Ort, der trägt, nicht nur treibt. Eines der zehn hätte gepasst, ein einziges – aber nur für die Adria und das Mittelmeer. Nicht für das, wovon wir träumen.
4.000 Kilometer haben uns nicht näher an ein Schiff gebracht. Aber sehr nah an eine Entscheidung. Denn diese Reise war kein Umweg – sie war ein Filter. Und am Ende stand eine Erkenntnis, die mich selbst überrascht hat: Klarheit entsteht nicht durch das Richtige. Sondern durch das konsequente Nein.
Wir wissen jetzt ganz genau, was wir nicht wollen. Und das ist oft mehr wert als jedes schnelle Ja.
Ein Gedanke, den wir längst aussortiert hatten
Auf dem Rückweg, irgendwo zwischen zwei Ländern und zwei Kaffeepausen, kommt er uns wieder in den Kopf. Da war doch einmal ein Schiff … eine Hallberg-Rassy 42. Im März 2025 hatten wir kurz angefragt – und der Preis war uns viel zu hoch. Wir hatten die Idee damals weggeschoben. Manchmal weiß man einfach, dieser Moment ist nicht der richtige.
Wir kommen nach Hause, sortieren die Eindrücke, atmen durch. Und dann lesen wir es: Preisreduktion. Eine deutliche.
Wir schauen uns an. Wir wissen beide, was das bedeutet.
Jetzt müssen wir hin.
Ein paar Tage vor Weihnachten ist das. Ein paar Tage, in denen die meisten Menschen Plätzchen backen und Geschenke einpacken. Wir packen das Auto. Am 22. Dezember fahren wir nach Grado, gemeinsam mit unserem Sohn Sebi.
10:10 Uhr
Wir betreten das Schiff. Es ist älter, das sehen wir sofort. Sie liegt schon länger hier, ist eine Weile nicht mehr gefahren worden. Aber dann – wir spüren es. Doris, Sebi und ich, wir spüren es alle drei gleichzeitig. Diese Hallberg-Rassy hat genau das, was wir brauchen. Solides Holz, ehrliche Substanz, ein Schiff, das gebaut wurde, um zu fahren – nicht um zu glänzen. Wir gehen durchs Schiff, klopfen, schauen, riechen. Sebi steht oben im Cockpit, Doris in der Achterkabine, ich am Kartentisch. Und dann, um 10:10 Uhr, treffen wir uns wieder in der Kombüse. Es muss gar nichts gesagt werden. Wir wissen es alle drei. Für einen kurzen Moment zögere ich noch. Ist es das jetzt? Oder nur der nächste ehrliche Schritt? Dann geben wir unser Preisangebot ab. Am 22. Dezember, ein paar Tage vor Weihnachten. Mediator statt Makler In Italien läuft Schiffskauf anders als in Kroatien. Es gibt keinen Makler, der für eine Seite arbeitet, sondern einen Mediator, der beide Seiten begleitet. Und ich muss sagen: Die Agentur, die uns betreut hat, hat einen hervorragenden Job gemacht. Offen, ehrlich, lösungsorientiert. Empfohlene Gutachter, die sich tatsächlich als gut herausgestellt haben. Sogar Übernachtungen in der Marina haben wir bei den Besichtigungen bekommen. Dann beginnt das Warten. Wir wollen das Schiff aus dem Wasser holen, einen Gutachter draufschicken. Aber dann kommt der Wind. Dann kommt der Nebel. Tag um Tag passt das Wetter nicht. Wer schon einmal in einer italienischen Marina im Januar gestanden hat, der weiß: Manche Dinge entscheidet einfach das Meer.
März – endlich aus dem Wasser
Erst im März passt alles zusammen. Das Schiff kommt aus dem Wasser, der Gutachter kommt mit seinem Koffer, und wir kommen mit großer Erwartung. Vor uns steht sie: oben blau-weiß, unten rot, der Kiel massiv und ehrlich. 13 Meter Boot, Baujahr 1982, und sie schaut aus, als würde sie sagen: Ich kann noch viel. Was diese drei Tage in Grado dann ganz besonders machen, sind nicht die Daten und Messwerte. Sondern zwei Menschen: Gabi und Klaus, die Verkäufer. Wir treffen uns am Schiff, und aus der Geschäftssache werden drei wunderschöne Tage. Wir lernen das Schiff kennen – und wir lernen die beiden Menschen kennen, die jahrzehntelang in dieses Schiff investiert haben. Mit Liebe, mit Sorgfalt, mit Zeit, mit Geld. Und dann passiert etwas, das man nicht planen kann. Das Schiff liegt in Grado – aber die Familie dahinter kommt aus Graz. Sie wohnen fünf Kilometer von uns entfernt. Nach 4.000 Kilometern. Nach all den Häfen, all den Optionen, all den Maklern. Plötzlich ist alles ganz nah.
Es entsteht etwas, das man bei einem Schiffskauf nicht erwartet: eine echte Verbindung. Wir verstehen, wo dieses Schiff überall war. Was alles repariert wurde, was alles gepflegt wurde. Und Gabi und Klaus verstehen, wohin wir mit ihr wollen.
Vielen Dank, Gabi und Klaus. Wir werden gut auf sie aufpassen.
Stolze Besitzer
Am Freitag unterschreiben wir den Kaufvertrag. Und damit sind wir – ich kann es noch immer kaum aussprechen, ohne dass etwas in mir lacht – stolze Besitzer einer Hallberg-Rassy 42E, Baujahr 1982. Für ihr Alter in einem hervorragenden Zustand. Eine Familie hat sie über Jahre liebevoll gepflegt – und jetzt darf sie mit uns weiterreisen. Sie heißt noch Samba for Two. Bald wird sie Feelgood heißen. Aber das ist eine andere Geschichte für einen anderen Blog. Was sie kann, was wir mit ihr vorhaben? Sie ist gebaut für die großen Strecken. Für die Ozeane. Für das, was wir uns seit Jahren ausmalen: Atlantik, Pazifik, das große Abenteuer. Unser Ziel heißt Tuvalu – ein kleiner Inselstaat mitten im Pazifik, von dem die meisten Menschen noch nie gehört haben. Aber für uns ist er der Nordstern dieser Reise. 4.000 Kilometer mit dem Auto. Zehn Schiffe, die wir uns angesehen haben. Eines, das wir gefunden haben, als wir es längst aufgegeben hatten – und das am Ende fast vor unserer Haustür zu Hause war. Manchmal muss man weit fahren, um zu merken, dass Nähe erst dann entsteht, wenn man weiß, wogegen man Nein sagt.Folge uns bei unseren Abenteuern! ⛵
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